Das Leben als Mutter und Künstlerin

eingetragen in: Blog | 7

atelier-329

© Astrid Volquardsen

Auf meiner Veranstaltung in Eitorf wurde ich angesprochen, wie ich es schaffen würde Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen? Zu Beginn ist es sicherlich erst einmal eine Herausforderung, wie für alle berufstätigen Mütter. Des Weiteren ist der Aspekt des kreativen Schaffens nicht zu vernachlässigen. Für Außenstehende ist es manchmal schwer nachvollziehbar, das es diesen inneren Drang gibt, sich künstlerisch ausdrücken zu wollen und eine unglaubliche Macht einen ins Atelier zieht. Das Herz und die Seele davon leben. Der Prozeß des künstlerischen Ausdrucks erfordert zudem eine Menge Arbeit und Energie und bedarf Freiraum und Zeit. Nur, wie schafft man sich diesen? Man liebt seine Kinder und möchte seine Sache gut machen, aber auch die lieben Kinder benötigen Zeit und Energie. Die Seele der Künstlerin und die Seele Mutter sind in einem ständigen Zweikampf. Das schlechte Gewissen nagt an einem, wenn man sich um die Kinder kümmert und nicht im Atelier ist und das schlechte Gewissen nagt an einem, wenn man im Atelier ist und nichts mit den Kindern unternimmt. Je kleiner die Kinder sind, destso größer das schlechte Gewissen, denn mit beiden sind unser Herz und unsere Seele aufs tiefste Verbunden.

Aus meiner Erfahrung kann ich gerade auch den jungen Müttern sagen: Durchhalten, es kommen einfachere Tage! Das bedeutet jedoch nicht, dass man sich für das eine oder das andere entscheiden muss. Ich glaube auch nicht, dass man alles haben kann, wie es eine zeitlang von der feministischen Bewegung suggeriert wurde. Auf Superwoman habe ich keine Lust, bitte ein paar Häuser weiter klingeln.

Es gibt jedoch ein paar Dinge, die einem auf der Reise helfen.

1. Habe ein Ziel und Durchhaltevermögen: Frage dich, was du wirklich willst, jede Antwort ist richtig, so lange du sie ehrlich für dich beantwortest. Wie genau definierst du für dich deinen Erfolg als Künstlerin und woran machst du das fest? Meistens weiß jeder tief in seinem Innern, was er wirklich möchte. Schreibe diese Dinge auf. Ziele können sich natürlich verändern, also ist es auch kein Problem diese im Laufe der Zeit zu erneuern. Es ist gut ein fünfjahres Ziel zu haben und Ziele für das nächste Jahr. Wenn man weiß, wo die Reise hingehen soll, kann man viel leichter abschätzen, wie ein Alltag zu organisieren ist, welche Dinge man machen möchte und welche definitiv nicht.

2. Setze Grenzen. Der schwierigste Teil für uns Mütter. Das bedeutet, das du feste Arbeitszeiten hast und diese auch verteidigst. Klein- und Grundschulkinern fällt es natürlich schwer und daher ist es wichtig deine Hauptarbeitszeit  zu haben, wenn diese im Kindergarten oder in der Schule sind. Diese Zeit ist für das Malen da und für nichts anderes. Kein Haushalt, kein Einkaufen, keine Wäsche waschen, keine Handwerker, keine ehrenamtliche Tätigkeiten, keine Telefongespräche mit Freunden, keine Mails beantwoten, im Internet surfen… Genau dieses Zeitfenster gilt es zu verteidigen. Das Umfeld (der Rest der Familie/Freunde) schluckt anfangs ein bißchen, aber dann ist es o.k. Wenn jemand im Büro arbeitet, kommt auch keiner auf die Idee einen zu stören.  Die anderen Dinge können nachmittgas oder abends erledigt werden. Anosnsten lerne mit einem Haushalt zu leben, der nicht immer so toll aussieht. Wie gesagt, wenn jemand nach Superwoman fragt, verweise auf ein paar Häuser weiter.

3. Wenn du malst, sei 100% beim  Malen. Wenn du mit deinen Kindern zusammen bist, konzentriere dich auf deine Kinder. Wertschätze den Augenblick und lebe im Augenblick.

4. Man muss nicht inspiriert sein, um malen zu können. Picasso hat gesagt: »Kreativität existiert, aber sie muss dich bei der Arbeit finden.« Recht hatte er. Wenn du müde bist, eigentlich überhaupt keine Lust hast, deine Malerei will nicht, wie du willst: Halte durch, Male, Skizziere, tue irgend etwas. Auch viele kleine Schritte fügen sich zu einem großen Ganzen. Oder wie meine Großmutter immer sagte; »Kleinvieh macht auch Mist.«

5.Kinder und Kunst bereichern im gleichen Maße unser Leben und kosten im gleichen Maße Energie. Sorge dafür, das deine Akkus aufgeladen bleiben. Mache Sport, Entspannung, Sauna, was auch immer. Und ja, dann ist das Bad halt nicht sauber oder die Bügelwäsche fertig. So what?

6. Wer schon die künstlerische Straße ein bißchen weiter gegangen ist: Setze feste Zeiten für das Marketing. ( Kein einkaufen, bügeln…..)

Für uns Künstlerinnen, die  Mütter sind, erfordert dies ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Organisation, um diesen Freiraum zu schaffen. Auf der anderen Seite gibt uns das Leben mit Kindern im Alltag eine Struktur. Wenn man weiß, das man nur ein bestimmtes Zeitfenster hat, ist man häufig viel effektiver.

Eine Bekannte von mir wurde gefragt, wie sie es schafft als  Künstlerin erfolgreich zu sein. Ihre Antwort: »Schaffe dir Kinder an.«

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmailFacebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

7 Antworten

  1. Caro
    |

    Liebe Astrid,
    wow, ich bin echt berührt, daß Du eine Zusammenfassung unserer Unterhaltung soviel Raum in Deinem Blog schenkst….jetzt kann ich Deine Worte auch nachlesen :-)), insbesondere in Zeiten, in denen ich wieder hin und her gerissen bin. Du hast mir einen schönen Tritt in den Allerwertesten gegeben, und ich habe sofort am Montag angefangen Vormittags zu arbeiten…und es ist toll, so befreiend, ich hab schon so viel geschafft und bin dabei noch glücklich und zufrieden.
    Ich verbreite auch so langsam, daß ich jetzt wieder arbeite, wobei ich immer ein komisches Gefühl habe, da diese Arbeit für mich keine Arbeit sondern Vergnügen ist :-)), wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich vorher auch nicht mit gutem Gewissen in den Keller gehen konnte.
    Deine Worte haben mir aber ordentlich die Augen geöffnet, und ich fange an die Kunst als mein Beruf zu sehen, und nicht nur als Hausfrauenhobby.
    Ein ganz ganz dickes Dankeschön von mir aus der Stadt, die es gar nicht gibt….Caro

    • Astrid
      |

      Hallo Caro,
      es freut mich so sehr, dass es dir geholfen hat.

  2. Kerstin Schibor
    |

    Hallo Astrid,

    ja eigentlich weiß ich, es ist so wie du schreibst. Aber ich tappe immer wieder in die Schlechte-Gewissens-Fallen. Da kam dein Beitrag heute genau richtig. Danke dafür. Er hängt nun ausgedruckt an der Wand und den Vormittag habe ich mit Zeichnen im Donautal verbracht.

    Lieben Gruß

    Kerstin

  3. Claudia
    |

    Hallo Astrid,

    ja so ist es wirklich. Bei mir ist das Kind schon groß, aber dafür betreue ich meine Mutter. Alte Menschen werden manchmal, besonders wenn sie der Pflege bedürfen, selber wieder zum Kind.
    Da ich nun deshalb zu Hause bin erlebe ich es oft, das mein Umfeld nicht verstehen kann wieso ich Zeit zum malen brauche und wie wichtig diese Tätigkeit für mich ist. Überhaupt ist es sehr schwer Freunden und Bekannten klar zu machen, das man nicht 24 Stunden am Tag nur für andere da sein kann. Das schafft weder der Körper, noch die Seele!
    Ich habe gemerkt, das mich dann das schlechte Gewissen nicht weiter bringt und das ich das malen brauche.
    Die Arbeit am Bild ist für mich zu einer Art Tankstelle für die Seele geworden!

  4. Karin
    |

    Hallo Astrid!
    Danke für diesen post. Wie Du weisst habe ich keine Kinder, aber ich finde es trotzdem interessant, zu hören wie Du damit umgehst.
    Auch für uns Vollzeit-Berufstätige, die WIRKLICH den Drang haben, sich kreativ zu betätigen, aber auch Geld verdienen müssen ist es nicht einfach, auch wenn es nicht mit dem »Mutter-Sein« vergleichbar ist.

    • Astrid
      |

      Hallo,
      wie man sieht, hat jeder verschiedene Dinge im Leben laufen.Umso wichtiger zu überlegen, wie und womit man seine Zeit am Besten nutzt.

  5. sylvia
    |

    Hallo Astrid,
    ich kenne dich zwar nicht persönlich, aber ich habe auch 3 Kinder und du hast bestimmt vielen Müttern aus der »Seele« gesprochen!!!

    Danke,Sylvia