Kreative Prozesse einer Künstlerin

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Foto © 2015, Marc Volquardsen

Kreative Prozesse sind inspirierend, befreiend sowie anstrengend und Energie zehrend. Mal fließt alles von selbst zusammen, mal fühle ich mich, als ob ich auf einer Klippe stehe und springen muss. Kreativität entsteht nicht im Vorbeigehen, sondern wie Picasso schon sagte: »Kreativität existiert, aber sie muss dich bei der Arbeit treffen.«

Es gibt ein Vor und Zurück, Unruhe, Unzufriedenheit, nicht endende Denkspiralen. Wie kann ich das, was ich dort sehe und empfinde bildnerisch ausdrücken? Mit welchen Farben und Formaten? In Öl oder doch in Pastell?  Wie sieht meine ganz individuelle Lösung aus, damit ich das Umsetzen kann, was ich möchte? In jeder Ecke des Ateliers liegen Zeugnisse dieses Prozesses.

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Foto © 2015, Marc Volquardsen

Was dieses Stadium im Moment auszeichnet: Die absolute innere Unruhe, ein angespannt sein. Mein Umfeld merkt das natürlich auch und mein Blick ist in solchen Tagen weit in mein Inneres gerichtet. Jedes Auftauchen aus diesem Inneren und das Unterbrechen des kreativen Prozesses ist nicht einfach, aber das Familienleben kann ich ja nicht total ausblenden und sei es, um so etwas profanes wie Essen zu kochen.

Das Atelier wird unordentlich. In dieser Phase hat Vorrang, diesen Prozess nicht zu unterbrechen. Dazu gehört auch das Ertragen, wenn es nicht läuft, mich Selbstzweifel plagen und aus diesem Zustand nicht zu fliehen. Denn am Ende wird es den Durchbruch geben. Das weiß ich zwar mittlerweile aus Erfahrung, aber es macht es trotzdem nicht leichter.

Ich ziehe mich immer mehr zurück und Freunde sorgen sich, dass ich meine Mails nicht beantworte. Meine Familie kennt das inzwischen schon.

Das alles passiert auch vor dem Hintergrund des zeitlichen Drucks. Der Termin für die Ausstellung steht, die Angst schleicht sich manchmal von hinten an, ob ich alles schaffe. Das bedeutet, das der gesamte Arbeitsablauf gut durchgeplant sein muss, auch der Tagesablauf, damit ich genügend Zeit für genau solche Phasen habe. Die letzten zwei Wochen waren von solch einer sehr intensiven Zeit geprägt und nun gilt es, in die etwas ruhigere, aber konzentrierte Arbeitsphase zu gehen.

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Foto © 2015, Marc Volquardsen

Nicht immer ist es so anstrengend. Aber es ist immer so, als ob das Universum anklopft und um Einlass begehrt. Dann gilt es die Türen weit zu öffnen, Ängste und Selbstzweifel zu überwinden und neue Entwicklungen willkommen zu heißen. Das sind dann die Momente, wo ich loslasse und male, male, male. Das habe ich nun so häufig durchgemacht, das ich mir mal eigentlich angewöhnen könnte, nicht so viel zu hinterfragen, sondern einfach Vertrauen in den Prozess zu setzen.

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Foto © 2015, Marc Volquardsen

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6 Antworten

  1. Svenja
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    Na das klingt alles nach dem realen Leben ;-). Gute Momente, Selbstzweifel, Wagnis, … Aber zeitlicher Druck kann ja manchmal im Nachhinein betrachtet auch ganz gut tun- man springt einfach von der Klippe, wie du so schön sagst, wenn die Zeit zum Grübeln, ob man wirklich springen soll, fehlt. Und bestenfalls landet man im erfrischend kühlen Nass, das einem gut tut.
    Und nach dem, was man da bei den Fotos »out of focus« schon als Vorahnung zu sehen kriegt, lohnt sich mal wieder alles und es wartet eine tolle und erfolgreiche Ausstellung auf dich, und auf die Besucher warten wieder einige deiner phänomenalen, zu Papier gebrachten Stimmungen! Ich freu mich schon darauf :-)!!

    Ein paar Zeilen eines ganz tollen Liedes, an das mich dein Beitrag erinnert hat: Das Lied ist von Lisa Bassenge, der Titel »Lass die Schweinehunde heulen«

    Lass die Nerven richtig zittern
    Lass die Erde richtig beben
    Stell dich mitten ins Gewitter und du weißt:
    Du bist am Leben

    Mach die gröbsten Pirouetten
    Schrei die Lungen aus dem Leib
    Hau den Lukas bis nach oben
    Tauch in Zuckerwatte ein

    Nimm die besten Augenblicke
    Bau dir deine Zeit daraus
    Riskier die dickste aller Lippen
    Pfeif auf jeglichen Applaus

    Ganz liebe Grüße,
    Svenja

    • Astrid
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      Hallo Sevnja,
      was für ein schöner Kommentar. Der Liedtext resoniert ganz gewaltig bei mir.
      Auf Youtube habe ich eine optisch sehr ansprechende und kreative Umsetzung gefunden. für alle, die mit ein bisschen pep in den Tag Start wollen: https://www.youtube.com/watch?v=oQ9QzSU2vds

  2. Heike Hesse
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    Liebe Astrid
    Innehalten, ein tiefer Atemzug – den guten Moment – diesen einen Augenblick! – mit jeder Faser des Herzes aufnehmen. Ja du kannst das, stimmt’s?

    • Astrid
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      Ja, aber in solchen Augenblicken muss ich mich auch manchmal ganz bewusst daran erinnern durch zu atmen.

  3. Werner Osterrath
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    Hallo Astrid
    selbst wenn man glaubt den Weg gefunden zuhaben..beim erreichten Ziel eröffnet sich ein neuer Weg..
    ..Augen ausschalten….die Suche nach innen..träumen…manchmal stieren durch die Menschen..abwesend sein
    ….dann zeichnet sich ein schemenhafter Weg ab…..das Kopfkino jetzt nicht ausschalten…..sonst ist der Weg nicht mehr da wo er eben noch war.Jetzt ist man geistig satt….
    Vielleicht hilft dann die Familie ,Musik ,oder ein Musikinstrument,das hilft ,den Weg wieder zufinden..kurz back to the Roots…….Kraft tanken….vielleicht ist dann aufeinmal ein viel schönerer Weg da ,der sich auftut
    Ich selbst male (als Hobby) mehr schlecht als recht habe aber auch meine Tiefs,ups and downs….selbst zu akzeptieren ,das man eine Pause braucht ist schwer….(manchmal)
    Meine Mutter sagte immer…« jetzt trink erstmal ne scheune Tass Tee und dann schaun wir ma «
    in diesem Sinne ..dat ward……..
    Werner Osterrath

  4. Claudia
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    Ja liebe Astrid, diese Höhen und Tiefen, wir alle kennen sie. Ich glaube du bist sehr oft im Hier und Jetzt, auch das ist eine Gabe und die hast du.
    Deine Familie, sie stärkt dich, bewusst und unbewusst. Aber sie sind da und du kannst deine Kraetivität ausleben.
    Manchmal kommt auch das Leben dazwischen (bei mir) und plötzlich ist das innere Feuer nur noch ein glimmen.
    Aber so lange es brennt wie bei dir, werden dir auch die Selbstzweifel nichts anhaben können!