Materialkunde: Malgründe I

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Welche Art Farbauftrag ein Pastell hinterlässt, hängt nicht nur von seinem Härtegrad ab. Der Malgrund spielt eine zentrale Rolle. Damit Pigmente überhaupt haften, muss die Papierstruktur eine gewisse Offenporigkeit aufweisen.
Grundsätzlich kann man geeignete Pastellmalgründe in zwei Kategorien einteilen: Solche mit glatter oder rauer Oberfläche.
Dabei ist mit glatt auf keinen Fall die feinkörnige Oberfläche von vielen Skizzenbüchern gemeint, sondern bezieht sich hier nur auf den Vergleich innerhalb von Pastellpapieren.

Als glatte Papiere bezeichne ich z.B. Canson Mi-Teintes, Ingres, Fabriano Tiziano, Velour- und Aquarellpapiere. Die geringe Oberflächenstruktur ermöglicht nur das Auftragen von 2-3 Pigmentschichten. Diese Papiere eignen sich eher für zeichnerische oder detaillierte Herangehensweisen mit feinen Linien. Daher verwenden Pastellkünstler für diese Malgründe meist härtere Pastelle. Möchte man verschiedene Härtegrade kombinieren, arbeitet man von hart nach weich.
Auf glatten Oberflächen ist die ausschließliche Verwendung von sehr weichen Pastellen problematisch. Diese füllen sehr schnell die Poren, so das ein Arbeiten in Schichten nicht möglich ist. Das Papier fühlt sich schnell „satt an“. Häufig wird hier der Einsatz von Fixativen nahe gelegt, welche die Pigmente jedoch verdunkeln lassen und den Bildern ihren ursprünglichen Zauber oder die Leuchtkraft nehmen können.
An dieser Stelle empfehle ich auf einen Malgrund mit rauer Oberfläche zurück zu greifen. Zu dieser Kategorie gehören unter anderem Papiere wie: Sennelier Pastel Card, Schmincke Sansfix oder Art Spectrum. Papiere mit rauen Oberflächen haben eine Textur z.B. aus Korkstaub- oder Bimssteingemischen und fühlen sich wie Schmirgelpapier an. Auch wenn es ähnlich ist, greifen sie aus Kostengründen nicht auf Schmirgelpapier zurück. Dieses ist nicht säurefrei und schon nach wenigen Jahren setzt Papierfraß ein.
Raue Malgründe ermöglichen je nach Hersteller die Aufnahme von bis zu 8 Pigmentschichten. Sehr feine Linien sind allerdings durch die Körnung schwer umzusetzen.

Farbauftrag auf unterschiedlichen Malgründen
Bei den Farbproben bin ich folgendermaßen vorgegangen:

1) hart (Polychromos)
2) mittlere Härte (Rembrand)
3) Softpastell (Sennelier)
4) 3 Farbschichten nur mit harten Pastellen
5) 3 Schichten von hart nach weich
6) 3 Schichten nur mit weichen Pastellen

A) Ingres
B) Canson Mi-Teintes
C) Velour (Hahnemühle)
D) Sennelier Pastel Card
E) Schmincke Sansfix Pastellkarton


Wie in den Beispielen A bis E zu sehen ist, variieren die Ergebnisse. Ingres und Canson Papiere waren lange Zeit die gängigen Pastellmalgründe. Bei beiden tritt die Papierstruktur durch. Bei dem Canson Papier kann man in diesem Fall auf die Rückseite ausweichen, die noch glatter ist. Papiere dieser Art eignen sich sehr gut für detailreiche Darstellungen. Insbesondere Portraitkünstler greifen gerne auf diese Sorten zurück.
Das Velour Papier in diesem Beispiel hinterlässt keinen scharfen Linien und die Farbflächen verlaufen. Velour Papiere können mehr Farbschichten aufnehmen als Papiere aus der Kategorie A und B.


Die Mehrzahl der Pastellkünstler arbeitet gerne mit weichen Pastellen auf rauen Malgründen. Hier hat die Auswahl an Papieren in den letzten Jahren stark zugenommen. Diese können jedoch je nach Hersteller große Unterschiede in ihren Eigenschaften aufweisen. Da die Entwicklung vor allen Dingen auf dem amerikanischen Markt stattfindet, ist dort das Angebot wesentlich größer. Wenn Sie in englischspachigen Blogs oder Zeitschriften »sanded surface« lesen, handelt es sich um eine raue Oberfläche.
Die Oberfläche der Pastel Card lässt ein Arbeiten in vielen Schichten zu und ermöglicht gleichzeitig noch ein gutes Verwischen und fließende Farbübergänge.
Das Sansfix Papier kann mit Aquarell- oder Acrylfarben untermalt werden und erweitert den künstlerischen Spielraum. Es hat mehr Griff, so dass es viele Schichten aufnehmen kann. Bedingt duch die Rauheit setzt es der Wischtechnik Grenzen und scharfe Kanten sind schwer umzusetzen.
Die Beispiele D/6 und E/6 verdeutlichen, dass selbst bei der dritten Pigmentschicht der Gelbton noch seine Leuchtkraft entfalten kann.

Eine generelle Empfehlung mit welchem Material man beginnen soll, kann ich schwer geben. Dies ist sehr stark von der persönlichen Arbeitsweise und Motivwahl abhängig. Pastellmalerei lebt davon, dass mehrere Farbschichten übereinander gesetzt werden. Wie diese Schichten aufgebaut werden, bleibt jedem selbst überlassen. Wenn man Pastelle verschiedener Hersteller kombiniert, gilt die Grundregel, von hart nach weich.
Künstler, die sich in zeichnerischen Vorgehensweisen zu Hause fühlen, können z.B. auf glatten Papieren mit harten Pastellen arbeiten. Dies hat zudem den Vorteil, das die Staubbelastung beim Malen geringer ist.
Wer gerne mit deckenden, leuchtenden Farben arbeitet, ist bei den weichen Pastellen und rauen Malgründen gut aufgehoben.

Sollten sie sich unsicher in der Auswahl der Materialien sein, experimentieren sie mit verschiedenen Pastellen und Malgründen! In meiner Arbeit habe ich festgestellt, das jeder seine eigene Herangehensweise hat und seiner Mentalität gerecht werden muss. Daher ist es immens wichtig heraus zu finden, mit welcher Materialkombination Sie sich selber am wohlsten fühlen.

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