Dieses Video ist noch nicht vom boesner TV team, sondern es handelt sich um Aufnahmen aus Österreich/Wildkogel.
Ich zeige wie anhand meiner Skizzen, Plein Air Studien und eines Fotos eine mögliche Umsetzung aussehen könnte.
Beiträge mit Stichwort »Malprozess«:
Landschaft im Licht
Talent? Just do it!
Während der Ausstellung habe ich viele Gespräche geführt und manchesmal hörte ich mit einem tiefen Seufzer des Bedauerns: »Ich würde so gerne malen, aber ich habe leider überhaupt kein Talent.«
Warum hält sich dieses Gerücht so hartnäckig, dass man zum Musizieren, Malen oder Zeichnen Talent braucht?
© Astrid Volquardsen
Malen oder Zeichnen lernen ist nicht vom Talent abhängig, sondern, dass man es einfach tut. Die Amerikaner sagen auch so nett: »You have to show up«. Also: Skizzenblog nehmen und einfach anfangen.
Wenn jemand die Energie, die er mit Selbstzweifeln und eigenen negativen Bewertungen im Vorfeld verbringt, direkt in einen Arbeitsprozess investieren würde, wären schon viele Bilder gemalt worden.
Künstlerisch tätig zu sein, bedeutet manchmal sehr viel Mut Mut aufbringen zu müssen: Den Mut, der Angst vor dem eigenen (scheinbaren) Versagen, der eigenen Inkompetenz und scheinbarer Lächerlichkeit ins Auge zu sehen. Obwohl ich persönlich nicht weiß, was lächerlich daran ist, wenn jemand lernen und sich weiterentwickeln will.
Oh, wie kann der innere Bewerter schnell auf der Matte stehen. (Ein älterer Blogeintrag aus dem März zu diesem Thema: Kreativität – Fehler zulassen).
Letztendlich liegt es nur an einem selbst und nicht an dem Gerede anderer oder am (nicht) vorhandenen Talent.
Unsere Gesellschaft fördert in ihren Ausbildungen stark die Nutzung der linken Gehirnhälfte. Eigentlich müßte bei der Mehrheit der Bevölkerung der Kopf eine leichte Schräglage nach links aufweisen. Für den Mal-und Zeichenprozeß ist jedoch der Einsatz der rechten Hälfte elementar und ich vermute, dass viele einfach nicht den Zugang zu ihr gelernt oder ihn verlernt haben. Einigen gelingt dieser Zugang leichter, anderen schwerer, aber grundsätzlich steht er jedem offen.
Der Künstler Raymond Whistler hat Talent folgendermaßen definiert: »Das Vermögen über einen langen Zeitraum konstant und konstruktiv hart zu arbeiten.«
Also nix mit eingehauchter Genialität, die einen die Bilder nur so aufs Papier fliegen lassen.
Wahrscheinlich, sind einfach nur viele Leute vor Angst, wie gelähmt und die linke Gehirnhälfte leistet ganze Arbeit, sie darin zu unterstützen.
Bei der Arbeit an einer Skizze beherrschen folgende Gedanken der linken Gehirnhälfte manche Leute:
- Wie sieht das denn aus?
- Völlig schief
- Das kann ich niemanden zeigen
- Da lachen ja alle über mich
- Ich lerne das nie (das zeigt doch, dass ich kein Talent habe)
Wie wäre es, solche Gedanken zu lassen und folgende Sätze (rechte Gehirnhälfte) gedanklich zu formulieren:
- Die Linie verläuft lange gerade und macht dann dort einen Bogen
- die schwarze Fläche hat eine fast quadratische Form
- das Grün ist ganz hell, wirkt irgendwie kalt
- dieser Bereich hier vorne ist dunkler als die Form daneben……
Mit solchen Gedanken sieht die Welt und Skizze gleich ganz anders aus.
Just show up and do it!
Mal was anderes
Schon mal bei 4°C gemalt?
Die Sonne lockte nach draußen und gaukelte einem so etwas wie Frühling vor. Also nix wie raus und bei Hohnstorf ran an die Elbe, wo sich die letzten Eisschollen am Ufer türmten.
Was für eine Kulisse!
Beim Skizzieren sind mir fast die Hände abgefroren und mein Stift gab bei der zweiten Skizze seinen Geist auf. Kälteschock. Die Aquarellfarben schienen heute auch länger beim Trocknen zu brauchen.
Skizzen und Bilder, die an solchen Tagen entstehen, erheben nicht den Anspruch, perfekt zu sein. Mein Skizzenbuch soll immer eine Spielwiese sein. Es geht nicht um ein tolles Bild, sondern um das Wahrnehmen von Farben und Licht, das Erkunden einer Komposition, einfach nur Spaß haben und nicht zuletzt den Augenblick intensiv zu genießen.
Heute war es aufgrund der Umstände ein anderes Malen, als ich es sonst tue. »Super Ablagetisch«, dachte ich noch, bevor sich mein Aquarellkasten auf der sehr glatten Oberfläche in Bewegung setzte. Mein Pinsel erhielt später eine Elbwassertaufe. Schräge, glatte Eisflächen sollte man wirklich nicht unterschätzen.
Da ich nicht immer meine Pastellkreiden mitschleppen kann und will, weiche ich gerne auf einen schwarzen Inkroller, Aquarellfarben oder Buntstifte aus. An Tagen wie heute sind sie in der Handhabung praktischer.
Elbufer bei Hohnstorf, Farbskizze© Astrid Volquardsen
Nach dem Ausflug bin ich direkt ins Atelier, wo ich mich nochmal etwas intensiver mit der Licht- und Farbsituation auf dem anderen Elbufer auseinandergesetzt habe. Auch hier geht es mir wieder nur um das Erkunden und nicht um das »perfekte Bild«.
Beide Skizzen fangen diese kalte Stimmung eines Januartages ein und das ist für mich wichtig gewesen.
© Astrid Volquardsen
Sehen
Je länger ich mich künstlerisch mit meiner Umgebung auseinandersetze, desto intensiver wird mein »Sehen«. Dieses Sehen bezieht sich ins besondere auf das Licht und seine Farben:
- Die Reflexion des Wassers an einem Bootssteg auf dem Holz
- Das Glitzern der Wasserlinien in der Sonne, wenn man Barfuß durchs leicht durchflutete Watt geht
- Eine Sandfläche im Watt, die noch feucht ist. Im flachen Bereich, spiegelt sich der Himmel.
- Die unterschiedlichen Farben im Glas eines Kirchenfensters. Im nebenstehenden Beispiel das eine orangefarbene Glas ganz unten.
- Das Farbspiel in der Laterne eines Leuchtturmes.
Dies sind Dinge, die ich nur sehr schwer in Worten ausdrücken kann, sondern immer sehe.
© Astrid Volquardsen
Wenn man sich auf diesen Sehprozess einlässt, gibt es so viel zu entdecken. Unsere Freunde und Familie sind es mittlerweile gewöhnt, dass meinem Mann oder mir ein Aufschrei entfährt: »Schau mal, dieses Licht, diese Farben!«
Der erste Eindruck ist der intensivste und währt manchmal nur den Bruchteil einer Sekunde. Das ist ein ganz besonderer Moment. Diesen unmittelbaren Eindruck zu bewahren ist nicht wirklich möglich, denn es war etwas Neues, Überraschendes. Bei mir beginnt sofort eine Analyse: Was beeindruckt mich genau in diesem Augenblick, kann ich das bildnerisch umsetzen?
Es ist möglich, dass ich mich während des Malprozesses von diesem Ausgangspunkt immer weiter entferne. Ein Malprozeß ist etwas sehr dynamisches und für einen Künstler ist es sehr wichtig diese Dynamik nicht zu unterbinden, sondern sich darauf einzulassen, was sich vor ihm auf dem Papier entfaltet.
Wenn Farben sich miteinander verbinden, gibt es auch beim Malen diesen kurzen Moment des »Sehens«.
Diese Art des Sehens ist etwas, was mein Leben ungemein bereichert.
Notan
Den Begriff Notan verwende ich des öfteren und daher möchte ich ihn an dieser Stelle erklären.
Der Ausdruck kommt ursprünglich von der ostasiatischen Tuschezeichnung und wird verwendet, um die Helligkeit und Dunkelheit in einem Bild zu bezeichnen. Das original Schriftzeichen wird im Japanischen »no-tan« ausgesprochen und bezieht sich darauf, wie dicht die Tusche aufgetragen ist. Diese ist entweder dicht und dunkel (no) oder mit Wasser vermischt hell (tan).
Künstler haben dieses Prinzip für die Malerei umgesetzt. In kleinen Notan Skizzen kann der Maler die Verteilung der Haupttonwerte schnell ermitteln und damit sehen, ob die Bildkomposition funktioniert. Gelingt es dem Künstler, eine gute Komposition in schwarz/grau/weiß zu finden, wird diese auch in Farbe funktionieren. Nur eine starke Komposition und der Gebrauch der richtigen Tonwerte bringen ein gutes Bild hervor.
Die drei Kurzskizzen zeigen, wie unterschiedlich eine dunkle Landmasse wirken kann, je nachdem, wieviel Gewicht ihr in dem Bild geben wird.
Stimmt der Unterbau nicht, kann auch die schönste Farbe das Bild nicht retten. Der amerikanische Pastellmaler Richard McKinley sagt dazu: »Color gets the glory, but value does the work.« (Die Farbe bekommt den Ruhm, aber die Arbeit erledigen die Tonwerte.)
Notan zum Pastellbild »Ruhiger Abend«© Astrid Volquardsen
Diese Kurzskizzen müssen nicht aufwendig sein, sondern sind ein Hilfsmittel.
© Astrid Volquardsen



