Kreativität – Fehler zulassen

eingetragen in: Blog | 2

Jeder Kreative kennt das: Es läuft nicht so, wie man es gerne hätte.
Die Woche über habe ich mich mit einem Bild beschäftigt, dessen Umsetzung zu wünschen übrig läßt. Es hat starke Bereiche und schwache, aber mir fehlt etwas. Ich weiß nicht was, bin unzufrieden und würde am Liebsten das Bild in die Tonne knicken.
Das ist eigentlich ein absolutes No Go bei mir. Einige meiner besten Bilder haben Momente erlebt, in denen ich sie fast zerrissen hätte. Diesem Drang zu widerstehen ist nicht immer einfach.

Warum fällt es einem so schwer, diesen Zustand des Frustes zu akzeptieren, der zu jedem kreativen Schaffen dazugehört. Warum darf nicht auch mal etwas »schlecht« sein?

Einen Teil der Antwort darauf erhielt ich durch den Vortrag von Ken Robinson, der darüber referiert, wie die Schulysteme die vorhandene Kreativität von Kindern aberziehen.
Wir leben in einer Industrie-und Bildunggesellschaft und unsere Schulsysteme sind darauf ausgerichtet Nachschub für diese Arbeitsmärkte zu bringen. Unglücklicherwiese hat sich dabei eine totale Verkopfung der Ausbildung vollzogen. In unserem Schulsystem sind Fehler, das Schlimmste, was man machen kann. Fehler = Punktabzug = Note! Pisa macht die Sache nicht besser, denn es gilt Testverfahren zu finden, mit denen man Ergebnisse landesweit überprüfen kann. Das Kind mit seiner Kreativität und individueller Entwicklung aber dabei außer Acht läßt.
Kinder lernen schnell, dass wenn sie in unserem Schulsystem gute Noten erlangen wollen, es nur um richtige und falsche Antworten geht.

Wenn ich aber nicht bereit bin, mir Fehler zu zugestehen, mich auf Fehler einzulassen, kann ich nicht kreativ sein und Neues hervorbringen. Das System hat uns gelehrt, vor Fehlern Angst zu haben.
Viele Erwachsene haben Befürchtungen, es nicht gleich richtig zu machen und nehmen sich die Chance, Neues zu entdecken. Dies erlebe ich immer wieder, wenn ich mit Leuten ins Gespräch komme, die so gerne kreativ sein würden, aber sich nicht trauen. Häufig verstecken diese sich hinter dem Satz: »Ich würde ja so gerne malen lernen, aber ich habe überhaupt kein Talent und bin kein bißchen kreativ.«

Ich bin auch nicht frei von der Angst, schlecht zu sein. Momentan halte ich noch am Bild fest, will es »retten«, um es in die Ausstellung mitnehmen zu können. Es stecken schließlich schon 4 Tage Arbeit drin. Doch es hat einen Punkt erreicht, wo ich loslassen muss. Das bedeutet, entweder meinem Frust freien Lauf lassen und es wegschmeißen. Oder die bessere, aber auch anstrengendere Variante: Mir die Erlaubnis zu geben, es auch versauen zu dürfen, um Neues auszuprobieren und mein Schaffen auf eine Neue Stufe zu heben. Vielleicht noch nicht mit diesem Bild, aber mit denen, die noch kommen werden.

Ken Richardson erzählte folgende Anekdote einer 6jährigen Schülerin aus dem Kunstunterricht.

Lehrerin: »Was malst du gerade?«
Schülerin: »Ich male ein Bild von Gott.«
Lehrerin: »Aber niemand weiß, wie Gott aussieht.«
Schülerin: »In einer Minute werden es alle wissen.«

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmailFacebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

2 Antworten

  1. Anonymous
    |

    Hallo liebe Astrid,
    ich denke, man sollte auch mal MUT ZUR LÜCKE haben, denn: NOBODY IS PERFECT. Oft ist man such nur selbst mit etwas unzufrieden u. die Anderen finden es ganz toll!
    Das wünscht Dir jedenfalls
    Brigitte

  2. Astrid Volquardsen
    |

    Dir Brigitte und den anderen, die mir per Mail geschrieben haben, vielen Dank für eure Ermunterungen.

    Der Zustand der künstlerischen Unzufriedenheit begegnet allen wie ein alter Bekannter. Sehr vertraut, aber man öffnet ihm nicht gerne die Tür, weil man weiß, was dann kommt.

    Ich habe mich erstmal durchs Bild durchgekämpft.
    Momentan hängt es ein wenig vorwurfsvoll an der Wand und scheint zu sagen: »Wir beide sind noch nicht miteinander fertig.«