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Sehen: Originale im Musée d’Orsay / Paris

1. Februar 2009 - 22:26

Durch diverse Medien, die unser Leben umgeben, glauben wir zu wissen, wie Bilder aussehen und wirken.
Lange bevor wir das Original betrachtet haben, ist das Urteil gefällt. Wir sehen eine Druckversion in einem Buch oder Katalog und der Computerbildschirm liefert uns je nach Farbeinstellung seine Version.
Wir erahnen nichts über die Wirkung des Farbauftrages oder welchen Einfluss die Größe des Bildes auf den Betrachter hat. Feine Farbnuancen, die nur das menschliche Auge wahrnehmen kann, gehen durch kostengünstige Druckverfahren verloren. Gerade diese Nuancen können es jedoch sein, die ein Bild dem Betrachter den Atem nehmen.

Während meines letzten Aufenthalts in Paris habe ich mir im Musée d’Orsay die Sonderausstellung: »Geheimnis und Leuchtkraft, die 100 schönsten Pastelle des Museums« angesehen.
Schon beim Betreten des ersten Raumes ahnte ich, welche Wellen diese Ausstellung in meiner Künstlerseele schlagen würde.

Zum ersten Mal stand ich einem Original der Pastellmalerin Rosalba Carriera gegenüber. Anfang des 1800 Jahrhunderts hatte sie einen durchschlagenden Erfolg mit ihren Pastellportraits am königlichen Hof Ludwig des XV.
Mir waren ihre Bilder immer ein wenig zu süßlich, aber dort vor dem Original verstand ich zum ersten Mal, worin der Reiz ihrer Portraits lag und dass es ihr gelang, diese aristokratische Ausstrahlung einzufangen.
Sehr spannend ist auch die Bildoberfläche betrachten zu können. Carriera muss auf Ingres ähnlichen Papier gemalt haben und neigte ordentlich zum Verwischen. Bei genauere Betrachtung kann man die dafür typischen »Wollmäuse« auf der Papieroberfläche sehen.

In den nächsten Räumen folgte die Steigerung über Bilder von z. B. Millet oder Mary Cassat, bis mir schließlich die Pastelle von Edgar Degas den Atem raubten.
Ich warte noch immer auf die Freigabe des Museum für Fotos, die ich dort gemacht habe, so dass ich an dieser Stelle nur auf die entsprechenden Bilder verlinken kann.
(Einfach auf die Bildtitel klicken).

Die Bilder waren so gehängt, dass der Besucher zuerst auf das Bild »Danseuse au bouquet, saluant sur la scène« von 1878< zuging. Erstmals habe ich wirklich verstanden, warum es so häufig in Büchern und Katalogen abgebildet ist. Bis dahin fand ich es eher öde und doof. Die beiden orangefarbenen Schirme haben solch eine Strahlkraft, die in jedem Druck verloren gehen, wie die gesamte Lichtsituation überhaupt.

Sein Bild »Danseuses«, welches ich zuvor in keinem Buch gesehen habe, hat bei mir ein absolutes Novum ausgelöst: Ich war zu Tränen von einem Bild gerührt.
Die Farben sind wesentlich wärmer, als auf dem Computerbildschirm zu sehen ist und das fantastische Licht geht im Katalog bzw. der Internetdarstellung des Museums leider völlig verloren.

In den beiden Räumen, welche Edgar Degas Bilder gewidmet waren, hielt ich mich über drei Stunden auf, habe einfach nur da gesessen und gestaunt.

Nach dem leuchtenden Farbrausch dieser Ausstellung wurde mir wieder sehr bewusst, welch unglaubliche Leuchtkraft Pastelle besitzen, die auch über die Jahrhunderte nicht verloren geht.
Anschließend schaute ich mir einige Ölgemälde der großen Impressionisten an – sie konnten mich von ihrer Farbdarstellung nicht so beeindrucken, wie zuvor die Pastelle.

Diese Ausstellung zeigte Pastellbilder, die ausschließlich aus den Beständen des Museums kommen. Pastellliebhaber, die eine Reise nach Paris unternehmen, können sämtliche Bilder in der Daueraustellung sehen.

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Mal was anderes

25. Januar 2009 - 21:39

Schon mal bei 4°C gemalt?

Die Sonne lockte nach draußen und gaukelte einem so etwas wie Frühling vor. Also nix wie raus und bei Hohnstorf ran an die Elbe, wo sich die letzten Eisschollen am Ufer türmten.
Was für eine Kulisse!

Beim Skizzieren sind mir fast die Hände abgefroren und mein Stift gab bei der zweiten Skizze seinen Geist auf. Kälteschock. Die Aquarellfarben schienen heute auch länger beim Trocknen zu brauchen.

Skizzen und Bilder, die an solchen Tagen entstehen, erheben nicht den Anspruch, perfekt zu sein. Mein Skizzenbuch soll immer eine Spielwiese sein. Es geht nicht um ein tolles Bild, sondern um das Wahrnehmen von Farben und Licht, das Erkunden einer Komposition, einfach nur Spaß haben und nicht zuletzt den Augenblick intensiv zu genießen.

Heute war es aufgrund der Umstände ein anderes Malen, als ich es sonst tue. »Super Ablagetisch«, dachte ich noch, bevor sich mein Aquarellkasten auf der sehr glatten Oberfläche in Bewegung setzte. Mein Pinsel erhielt später eine Elbwassertaufe. Schräge, glatte Eisflächen sollte man wirklich nicht unterschätzen.

Da ich nicht immer meine Pastellkreiden mitschleppen kann und will, weiche ich gerne auf einen schwarzen Inkroller, Aquarellfarben oder Buntstifte aus. An Tagen wie heute sind sie in der Handhabung praktischer.

Elbufer bei Hohnstorf, Farbskizze
© Astrid Volquardsen

Nach dem Ausflug bin ich direkt ins Atelier, wo ich mich nochmal etwas intensiver mit der Licht- und Farbsituation auf dem anderen Elbufer auseinandergesetzt habe. Auch hier geht es mir wieder nur um das Erkunden und nicht um das »perfekte Bild«.

Beide Skizzen fangen diese kalte Stimmung eines Januartages ein und das ist für mich wichtig gewesen.

Elbufer bei Hohnstorf, Farbstudie in Pastell
© Astrid Volquardsen
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Sehen

11. Januar 2009 - 23:02

Je länger ich mich künstlerisch mit meiner Umgebung auseinandersetze, desto intensiver wird mein »Sehen«. Dieses Sehen bezieht sich ins besondere auf das Licht und seine Farben:

  • Die Reflexion des Wassers an einem Bootssteg auf dem Holz
  • Das Glitzern der Wasserlinien in der Sonne, wenn man Barfuß durchs leicht durchflutete Watt geht
  • Eine Sandfläche im Watt, die noch feucht ist. Im flachen Bereich, spiegelt sich der Himmel.
  • Die unterschiedlichen Farben im Glas eines Kirchenfensters. Im nebenstehenden Beispiel das eine orangefarbene Glas ganz unten.
  • Das Farbspiel in der Laterne eines Leuchtturmes.

Dies sind Dinge, die ich nur sehr schwer in Worten ausdrücken kann, sondern immer sehe.

Ausschnitt: Leuchtturm List Ost ,2008, Pastellkreide, 78×40cm
© Astrid Volquardsen


Wenn man sich auf diesen Sehprozess einlässt, gibt es so viel zu entdecken. Unsere Freunde und Familie sind es mittlerweile gewöhnt, dass meinem Mann oder mir ein Aufschrei entfährt: »Schau mal, dieses Licht, diese Farben!«

Der erste Eindruck ist der intensivste und währt manchmal nur den Bruchteil einer Sekunde. Das ist ein ganz besonderer Moment. Diesen unmittelbaren Eindruck zu bewahren ist nicht wirklich möglich, denn es war etwas Neues, Überraschendes. Bei mir beginnt sofort eine Analyse: Was beeindruckt mich genau in diesem Augenblick, kann ich das bildnerisch umsetzen?

Es ist möglich, dass ich mich während des Malprozesses von diesem Ausgangspunkt immer weiter entferne. Ein Malprozeß ist etwas sehr dynamisches und für einen Künstler ist es sehr wichtig diese Dynamik nicht zu unterbinden, sondern sich darauf einzulassen, was sich vor ihm auf dem Papier entfaltet.

Wenn Farben sich miteinander verbinden, gibt es auch beim Malen diesen kurzen Moment des »Sehens«.

Diese Art des Sehens ist etwas, was mein Leben ungemein bereichert.

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