Beiträge mit Stichwort »Edgar Degas«:

Degas und der Akt – Ausstellung in Paris

17. Mai 2012 - 20:37

Degas Sketchbook

Zur Zeit läuft im Musee d’Orsay in Paris eine Sonderausstellung zu Degas und seinen Aktbildern. In dieser exzellenten Ausstellung wird die Entwicklung Degas  von den traditionellen Aktstudien zu seinen modernen Darstellungen des weiblichen Körpers in Alltagszenen aufgezeigt. Es offenbart sich wieder, was für ein hervorragender Künstler er war. Als junger Student traf Degas auf den von ihm sehr bewunderten französichen Maler Ingres und fragte ihn um Rat. Ingres sagte zu ihm: »Zeichen Sie Linien, junger Mann, zeichnen Sie Linien, entweder nach der Natur oder aus der Erinnerung. Dann werden Sie ein guter Künstler werden.« Degas hat diesen Rat beherzigt und galt bei seinen Zeitgenossen als ein unachgiebiger und ausdauernder Zeichner und Maler. Wo man wieder sieht, dass all dieses Können nicht vom Himmel gefallen ist, sondern mit Fleiß zu tun hatte.

In dieser Ausstellung waren Degas Monotypien eine Offenbarung für mich. Die Monotypie ist ein Druckverfahren, bei dem auf einer Glas- oder Metallplatte Farbe aufgetragen und mittels Presse oder Hand ein Druck (Monotypie) angefertigt wird. Degas hat dafür Tinte oder Druckerschärze benutzt. Diese Monotypien hatten für ihn als  künstlerisches Mittel einen ebenso hohen Stellenwert bei wie das Pastell. Er hat diese schwarz/weiß Monotypien so sehr geschätzt, »dass wenn er nochmal leben könnte, würde er nichts anderes außer schwarz/weiß machen. Schwarz und Weiß sind ausreichend, um ein Meisterwerk herzustellen«. Seine zahlreichen Monotypien in der Ausstellung geben ihm Recht.

Einige dieser Drucke hat Degas mit Pastellen übermalt, wie im unteren Beispiel zu sehen. Degas benutzte die französichen Pastelle der Firma Roche, über die ich in einem anderen Blogbeitrag schon mal berichtet habe.

 

Degas - Woman in her bath

Degas - Woman in her bath (Detail)

 

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, neben Französisch auch in Englisch erhältlich.

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Edgar Degas Austellung: Degas and the ballet: picturing movement

19. September 2011 - 21:27

Seit dem 17. September läuft eine Ausstellung über Edgar Degas  in der Royal Academy of Arts in London, welche sich schwerpunktmäßig mit Degas Interesse beschäftigt, die Bewegung der Tänzerinnen in seinen Skulpturen und Bildern umzusetzen.
Eine sehr gute Besprechung der Ausstellung Degas and the Ballet: Picturing Movement und vielen Randnotizen The Degas Exhibition: notes for pastellits hat Katherine Tyrell auf ihrem Blog  making a mark gemacht. Gerade für Pastellmaler sehr lesenwert.
Interessanter Weise war ein Teil der Ausstellung in Hamburg zu sehen, wo sie unter dem Titel Intimität und Pose zu sehen war. Die Londoner Ausstellung stellt Degas Werk in Zusammenhang mit der damals in Mode kommenden Fotographie und Film, eine neue Strömung, der sich Degas bewußt war und deren Errungenschaften er sich bediente.

Einen interessanten Videobeitrag hat Alastair Sooke: How Degas captured movement gemacht, wo man am Ende auch ein paar der wundervollen Pastelle sehen kann.

Einen weiterer guter Videobeitrag ist auf der Seite der Royal Academy of Arts zu sehen.

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Edgar Degas: Intimität und Pose

24. März 2009 - 14:52

Bis zum 2. Mai läuft in der Hamburger Kunsthalle die Ausstellung Edgar Degas: Intimität und Pose.
Degas hat sich in seinem Werk intensiv mit der Darstellung von Bewegung und seinem Blick auf den weiblichen Körper beschäftigt.
Um einen weiteren Zugang zu verschiedenen Körperhaltungen zu finden, hat er Tänzerinnen, Badende und Rennpferde in Wachs modelliert. Erst nach seinem Tod hat man diese in Bronze gegossen, um sie der Nachwelt zu erhalten.
Diese Bronzeabgüsse stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, welche durch Zeichnungen, Pastelle und Ölgemälde ergänzt werden.

Die beeindruckenden Pastelle oder Ölgemälde fehlen, aber den Machern ist es gelungen, einen guten Einblick in Degas Arbeits- und Schaffensprozeß zu geben. Wer sich für Degas Werk interessiert, den sei diese Ausstellung sehr empfohlen. Eine sehr gute Audioguide-Führung sowie Filmmaterial komplettieren die Arbeiten.
Für weitere Infos: Edgar Degas: Intimität und Pose

Des weiteren findet am Donnerstag, den 26. März um 19:00 ein Vortrag von Dr. Michael Lüthy statt: Vom Körper zum Bild und zurück. Schlaglichter auf Edgar Degas künstlerisches Verfahren
Eine Veranstaltung der Freunde der Kunsthalle.

Hier eine Mitteilung aus dem Newsletter der Hamburger Kunsthalle:

Vom Körper zum Bild und zurück. Schlaglichter auf Edgar Degas’ künstlerisches Verfahren

„Die Kunst weitet sich nicht aus, sie wiederholt und verdichtet sich.“ (Degas an Lorenz Frölich, 27. November 1872)

Was heißt es, sich in Degas’ Œuvre zu orientieren, das mit über 1500 Gemälden und Pastellen, mehreren tausend Zeichnungen, einem reichen druckgrafischen Werk und zahlreichen Skulpturen schon in seinem Umfang kolossal ist? Was heißt es, sich in einem Denken zu orientieren, das bestimmten Ideen und Absichten jahrzehntelang treu blieb, selbst über die verschiedenen Perioden hinweg, in die man das Werk rückblickend einteilt? Welche Motive werden erkennbar, wenn man unter „Motiv“ nicht nur den gegenständlichen Vorwurf der Bilder versteht, sondern zugleich die Motivation, dieselben Sujets immer wieder aufzugreifen?

Für diese Fragen ist besonders das Spätwerk aufschlussreich. „Ich rutsche immer stärker ab“, so Degas in einem Brief, „ohne zu wissen, wohin, eingehüllt in viele schlechte Pastelle wie in Packpapier.“ Die Klage des alternden Degas steht am Beginn der Zeit, in welcher ihm die eindringlichsten Arbeiten gelingen sollten. Das Visuelle wird zunehmend vom Taktilen überlagert, und die Erinnerung tritt an die Stelle der konkreten Beobachtung. Parallel zur Überschreitung des Sehens öffnen sich die Bilder zur unabschließbaren Serie – bis zu dem Punkt, an dem das Spätwerk als ein einziges „work in progress“ erscheint. Um sich diesen Aspekten, die dem Medium des Bildes ganz neue Möglichkeiten erschließen, zu nähern, fokussiert der Vortrag auf die Prozesse der Bildentstehung und betrachtet das Gemachte aus dem Blickwinkel des Machens.

REFERENT Dr. Michael Lüthy
TERMIN Donnerstag, 26. März 2009, 19 Uhr
ORT Anita-Rée-Raum im Gründungsbau
KOSTENBEITRAG 7 Euro, Studierende bis 30 Jahre 4 Euro, Nicht-Mitglieder 10 Euro

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Sehen: Originale im Musée d’Orsay / Paris

1. Februar 2009 - 22:26

Durch diverse Medien, die unser Leben umgeben, glauben wir zu wissen, wie Bilder aussehen und wirken.
Lange bevor wir das Original betrachtet haben, ist das Urteil gefällt. Wir sehen eine Druckversion in einem Buch oder Katalog und der Computerbildschirm liefert uns je nach Farbeinstellung seine Version.
Wir erahnen nichts über die Wirkung des Farbauftrages oder welchen Einfluss die Größe des Bildes auf den Betrachter hat. Feine Farbnuancen, die nur das menschliche Auge wahrnehmen kann, gehen durch kostengünstige Druckverfahren verloren. Gerade diese Nuancen können es jedoch sein, die ein Bild dem Betrachter den Atem nehmen.

Während meines letzten Aufenthalts in Paris habe ich mir im Musée d’Orsay die Sonderausstellung: »Geheimnis und Leuchtkraft, die 100 schönsten Pastelle des Museums« angesehen.
Schon beim Betreten des ersten Raumes ahnte ich, welche Wellen diese Ausstellung in meiner Künstlerseele schlagen würde.

Zum ersten Mal stand ich einem Original der Pastellmalerin Rosalba Carriera gegenüber. Anfang des 1800 Jahrhunderts hatte sie einen durchschlagenden Erfolg mit ihren Pastellportraits am königlichen Hof Ludwig des XV.
Mir waren ihre Bilder immer ein wenig zu süßlich, aber dort vor dem Original verstand ich zum ersten Mal, worin der Reiz ihrer Portraits lag und dass es ihr gelang, diese aristokratische Ausstrahlung einzufangen.
Sehr spannend ist auch die Bildoberfläche betrachten zu können. Carriera muss auf Ingres ähnlichen Papier gemalt haben und neigte ordentlich zum Verwischen. Bei genauere Betrachtung kann man die dafür typischen »Wollmäuse« auf der Papieroberfläche sehen.

In den nächsten Räumen folgte die Steigerung über Bilder von z. B. Millet oder Mary Cassat, bis mir schließlich die Pastelle von Edgar Degas den Atem raubten.
Ich warte noch immer auf die Freigabe des Museum für Fotos, die ich dort gemacht habe, so dass ich an dieser Stelle nur auf die entsprechenden Bilder verlinken kann.
(Einfach auf die Bildtitel klicken).

Die Bilder waren so gehängt, dass der Besucher zuerst auf das Bild »Danseuse au bouquet, saluant sur la scène« von 1878< zuging. Erstmals habe ich wirklich verstanden, warum es so häufig in Büchern und Katalogen abgebildet ist. Bis dahin fand ich es eher öde und doof. Die beiden orangefarbenen Schirme haben solch eine Strahlkraft, die in jedem Druck verloren gehen, wie die gesamte Lichtsituation überhaupt.

Sein Bild »Danseuses«, welches ich zuvor in keinem Buch gesehen habe, hat bei mir ein absolutes Novum ausgelöst: Ich war zu Tränen von einem Bild gerührt.
Die Farben sind wesentlich wärmer, als auf dem Computerbildschirm zu sehen ist und das fantastische Licht geht im Katalog bzw. der Internetdarstellung des Museums leider völlig verloren.

In den beiden Räumen, welche Edgar Degas Bilder gewidmet waren, hielt ich mich über drei Stunden auf, habe einfach nur da gesessen und gestaunt.

Nach dem leuchtenden Farbrausch dieser Ausstellung wurde mir wieder sehr bewusst, welch unglaubliche Leuchtkraft Pastelle besitzen, die auch über die Jahrhunderte nicht verloren geht.
Anschließend schaute ich mir einige Ölgemälde der großen Impressionisten an – sie konnten mich von ihrer Farbdarstellung nicht so beeindrucken, wie zuvor die Pastelle.

Diese Ausstellung zeigte Pastellbilder, die ausschließlich aus den Beständen des Museums kommen. Pastellliebhaber, die eine Reise nach Paris unternehmen, können sämtliche Bilder in der Daueraustellung sehen.

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