5. Februar 2012 - 13:50
© Marc Volquardsen, 2012
Durch die Beschäftigung mit der Thematik wie sich Pastelle selber herstellen lassen, kommt man unweigerlich zur Auseinandersetzung mit Pigmenten. Zuerst dachte ich noch, dass ich locker vom Hocker eine kurze Zusammenfassung schreibe, was sich jedoch als ein reichlich naiver Gedanke herausstellte. Die Welt der Pigmente und Malkunde ist groß und es hat schon seinen Grund, warum es dicke Bücher darüber gibt. Daher beschränke ich mich auf einen sehr kleinen Ausschnitt, welcher dem Pastellkünstler etwas Hintergrundwissen liefert. Für diejenigen, die sich in die überaus interessante Materie vertiefen wollen, gebe ich ein paar Literaturhinweise am Ende des Beitrags.
Ausgangsstoff für alle Farben ist das Pigment. Dies liegt zunächst nur in Pulverform vor und wird erst durch Beigabe unterschiedlicher Bindemittel (so eine Art Kleber) zur Acryl-, Öl- oder Aquarellfarbe oder zum Pastell. Pigmente lassen sich aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung in zwei Gruppen einteilen: Anorganisch und organische Pigmente. Ein weiterer Schritt unterscheidet nach ihrer Herkunft, ob es sich um künstliche oder natürliche Pigmente handelt. Dabei können sie pflanzlichen, tierischen, mineralischen Ursprungs sein oder in den Labors der Chemiker entstehen.
Organische Pigmente basieren in ihrer molekularen Zusammensetzung auf Kohlenstoffbestandteilen.
- natürliche: Karmin, Indischgelb,
- synthetische: Chromgelb, Echtgelb, Phtalo-Cyaningrün,
Anorganische Pigmente sind chemische Verbindungen, die nicht auf Kohlenstoffatomen aufgebaut sind.
- natürliche: hierzu gehören Erden und Mineralien wie z.B.Umbra und Ocker,
- synthetische: Eisenoxidrot, Carpuut Mortuum, Marsgelb, Weißpigmente
Da jedes Pigmentkorn eine unterschiedliche Teilchengröße hat, variieren die Eigenschaften von Pigment zu Pigment stark. Jedes Pigment verhält sich anders in Bezug auf Lichtechtheit, Konsistenz, Verarbeitung, Pinselfluss oder bei Pastellen dem Abrieb. Hat man vierzig verschiedene Pigmenthaufen nebeneinander liegen, die mit dem bloßen Auge alle wie farbige Mehlhaufen aussehen, bedeutet dies nicht, dass sich alle gleich gut und einfach verarbeiten lassen. Pip Seymour weist darauf hin, dass die organisch synthetischen Pigmente wie Heliogen Grün sich nur schwer mit Wasser vermischen lassen und ein zusätzliches Netzmittel benötigen. Andere Pigmente benötigen wiederum mehr Bindemittel, um die Pigmentkörner überhaupt zusammen zu halten.

© Marc Volquardsen, 2012
Beim Vermischen von Titanweiß mit Wasser, nimmt das Pigment zunächst das Wasser schwer auf und verhält sich wie zähes Kaugummi.

© Marc Volquardsen, 2012
Dieses Violett nimmt das Wasser überhaupt nicht an.
Die Pigmentteilchen schwimmen auf einem Wasserfilm.

© Marc Volquardsen, 2012
Ultramarinblau lässt sich leicht zu einer Paste vermischen.
All dies erklärt auch, warum selbst innerhalb einer Marke die Konsistenz der Sticks sehr unterschiedlich ausfallen kann. Aufgrund der oben aufgeführten Punkte eignen sich nicht alle Pigmente gleich gut für einen Herstellungsprozess innerhalb einer Manufaktur. Viele Pastellmaler werden schon festgestellt haben, dass bei Softpastellen Rottöne, insbesondere dunkle, häufig hart und kratzig sind, dazu neigen zu bröseln und zu zerbrechen. Dies hat mit der Eigenschaft des Pigmenten zu tun und nicht mit dem Unvermögen der Hersteller.
Bücher
- Boesner Katalog 2011/2012, S. 264
- Finley, Victoria: Das Geheimnis der Farben.
- Hoppe, Thomas: Malkunde. Grundlagen, Materialien, Techniken. Bonn, Seemann Verlag 2005
- Myntweiler, Stefan: Farbpigmente, Farbstoffe, Farbgeschichten. 2. überarb. und erweit. Auflage, 2011, zu beziehen über Kremer Pigmente
- Seymour, Pip: Making Soft Pastels Using Dry Pigments. London, 1999, S. 12 Mit deutscher Übersetzung zu beziehen über Kremer Pigmente
- Smith, Ray: Praxisbuch für Künstler. Dorling Kindersley 2009
Websites: