Beiträge aus »Februar 2012«:

Besuch in der Produktion bei Caran d’Ache / Pastel Pencils

25. Februar 2012 - 22:57

Im letzten Jahr erhielt ich eine Anfrage des Unternehmens Caran d’Ache aus der Schweiz, ob ich ein paar Prototypen ihrer neuen Pastel Pencils Linie testen könnte. Daraus hat sich ein sehr netter Austausch ergeben und führte mich vor Weihnachten mit meiner Malerkollegin Susanne Mull in die Zentrale und Produktion nach Genf.

Wie im Artikel über Pigmente angedeutet, ist die Herstellung von Künstlerfarben ein komplexer Prozess. Durch die Gespräche mit den Mitarbeitern bei Caran d’Ache ist mir erst wieder bewusst geworden, wie viel Mühe und Anstrengungen es kostet ein neues Produkt zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Ich ziehe meinen Hut vor der Expertise der Chemiker und Produktions-Spezialisten. Neben einem enormen Wissen und großen Erfahrungsschatz sind ein »sich niemals zufrieden geben« wohl Voraussetzungen, um sein Ziel zu erreichen. Besonders beeindruckt hat mich das scheinbare endlose Experimentieren, bis die Pastellstifte jene Konsistenz erreichen, wie sie gewünscht wird.

Pigmente haben aufgrund ihres molekularen Aufbaus unterschiedliche Partikelgrößen und Eigenschaften. Für den Hersteller bedeutet dies, dass er nicht einfach 70 Pigmente nimmt, mit Bindemitteln vermischt und durch die Maschinenproduktion jagt. Jedes Pigment reagiert unterschiedlich und jeder Stift hat sein eigenes Rezept und seine eigene Zusammensetzung. Aber die muss ja erstmal gefunden werden und sämtlichen Anforderungen genügen: Lichtechtheit, Farbzusammenstellung des Sortiments, Zufriedenheit und Anspruch der Zielgruppe sowie der Kostenfaktor, um nur einige zu nennen. Hinzu kommt, dass sich nicht alle Pigmente für einen maschinellen Produktionsprozess eignen, weil die Minen dafür zu empfindlich sind. Ich glaube, ich werde in Zukunft mit einer anderen Ehrfurcht vor den Regalen sämtliche Anbieter stehen, die Künstlermaterialien herstellen.

Obwohl wir die gesamte Produktion besichtigt haben, möchte ich mich an dieser Stelle auf die Herstellung der neuen Pastel Pencil Linie konzentrieren.

Zuerst wird das trockene Pigmentgemisch in einem Hochgeschwindigkeitsmixer sozusagen geschleudert (funktioniert wie ein Wäschetrockner), gerade so stark, dass die Pigmentklumpen in ihre kleinsten Teile verfeinert werden, jedoch nicht so stark, dass die Pigmentstruktur zerstört wird. Es werden Bindemittel und destilliertes Wasser hinzugefügt und langsam in einem großen Behälter geknetet.

Caran d'Ache (1)

© Astrid Volquardsen, 2011

Anschließend wird der Teig in ca. 15 kg schwere Zylinder gepresst, welcher im nächsten Arbeitsschritt zu den eigentlichen Pastellminen verarbeitet wird.

Leider war die Maschine zu diesem Zeitpunkt gerade nicht in Betrieb. Für die Pastellproduktion arbeiten immer zwei Mitarbeiter zusammen. Der eine achtet auf die saubere Führung, während der zweite die Minen in einen Behälter für die weiteren Arbeitsschritte legt.
Caran d'Ache (4)

© Astrid Volquardsen, 2011

Da die Pastellminen empfindlich reagieren, werden im Behälter nur wenige gelagert und kommen zum Härten in einen Spezialofen. Dabei werden sie nur leicht erhitzt, weil gewisse Pigmente ab bestimmten Temperaturen »oxidieren« und so ihr Aussehen verändern würden. Durch langsame Drehbewegungen werden die Minen gerade, rund und leicht gehärtet.

Caran d'Ache (6)

© Astrid Volquardsen, 2011

Die Kunst bei den Pastellstiftminen liegt in der ausgewogenen Zusammensetzung von Pigment und Bindemittel. Ziel ist, dass der Teig nur so viel Bindemittel enthält wie nötig, um die typischen Eigenschaften eines Softpastells zu gewährleisten, aber so viel wie nötig, damit die Minen nicht brechen.

Während der Produktion wird sorgfältig darauf geachtet, dass alle Minen gerade sind, keine Schädigungen oder Risse aufweisen. Schadhafte Teile werden sofort aussortiert. Für den nächsten Arbeitsschritt sind homogene Minen notwendig, um in die Vertiefungen auf ein Holzbrett zu passen. In einem automatisierten Prozess erfolgt das Einlegen, Aufkleben einer weiteren Holzplatte und der Zuschnitt in einzelne Stifte.

Caran d'Ache (7)

© Astrid Volquardsen, 2011

Der nächste Produktionsabschnitt sieht erstmal recht unspektakulär aus: Das Anspitzen der Pastel Pencils. Überrascht war ich von der Vorarbeit, die in das Austüfteln dieses Arbeitsschrittes ging. Mit wenigen Griffen, möglichst effektiv und schonend musste eine Anspitzmethode gefunden und die Maschine dafür entsprechend justiert werden. Beeindruckt hat mich, mit welchen Hingabe und Genauigkeit der Mitarbeiter an dieser Maschine gearbeitet hat.

Caran d'Ache (8)

© Astrid Volquardsen, 2011

Ich muss hinzufügen, nicht nur an dieser Maschine! Alle Maschinen in diesem Betrieb sind Unikate und werden für die speziellen Produktionsprozesse angepasst. Die Mitarbeiter waren sehr freundlich zu uns, haben uns die Abläufe erklärt, bereitwillig ihre Arbeit gezeigt und unsere Neugierde und Staunen gesehen.

Abschließend erhalten die Stifte in einem Tauchbad die Farbmarkierungen auf dem Endstück sowie den Aufdruck, welcher die Farbnummern aufweist. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir nie Gedanken gemacht, wie viel Arbeit und Tüftelei in dieses Produktteil geht. Die Farbe des Endstückes soll mit dem eigentlichen Pigment möglichst genau übereinstimmen. Kein Problem könnte man denken, die bereits vorhandene Pigmentmischung wird mit den entsprechenden Bindemitteln für Lacke versetzt. Durch die unterschiedlichen chemischen Bestandteile in den Lacken sind die Chemiker gut beschäftigt die entsprechenden Übereinstimmungen zu finden.

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Winterruhe (II)

19. Februar 2012 - 13:58

Winterruhe (II)

Winterruhe (II) – Studie, 13×13cm, Pastell
© Astrid Volquardsen, 2012
verkauft

Es ist keine zwei Wochen her, da hatte das Eis noch alles fest im Griff. Mir hatte  es das Schattenspiel auf den Schiffen und dem Eis besonders angetan. Die Kältewelle ist nun vorbei und das Eis gibt die Schiffe langsam wieder frei.

Im nächsten Beitrag werde ich über meinen Besuch in der Pastellstift Produktion bei  Caran d’Ache in Genf berichten.

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Winterruhe

12. Februar 2012 - 14:11

Winterruhe (I)

Winterruhe (I) – Studie, 13×13cm, Pastell
© Astrid Volquardsen, 2012
verkauft

Im Sandtorhafen im Gebiet der Hamburger Hafencity ist der Museumshafen der Stiftung Maritim untergebracht. In diesem Bereich liegen nur die historischen Schiffe, welche einen Einblick in die maritime Geschichte Hamburgs geben. Auf allen Schiffen bieten sich im Sommer Mitfahrgelegenheiten. Nur jetzt nicht: Wegen des Eisgangs herrscht Winterruhe.

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Eisgang im Hamburger Hafen

7. Februar 2012 - 22:22

Am Wochenende zog es uns wie tausend andere Menschen in den Hamburger Hafen. Durch die anhaltend sibirische Kaltfront hat die Eisbildung stark zugenommen. Dieser Teil der Elbe liegt noch im Einflussbereich der Gezeiten und durch den Schiffsverkehr ist noch keine geschlossene Eisdecke entstanden.

Ich weiß nicht, wer oder was mir den Floh ins Ohr gesetzt hat, an diesem Wochenende die Plein Air Saison zu eröffnen. Bei frostigen Temperaturen habe ich versucht die Farbimpressionen vom Fähranleger Fischmarkt einzufangen.  Bei -5° C ( gefühlt -10° C, mindestens!) und eisigem Wind habe ich für zwei Farbstudien über 1 Stunde durchgehalten, aber dann wollten meine Fingerspritzen nicht mehr und ich nur noch ins Warme. Wer bei solchen Temperaturen draußen malen möchte: Keep it simple, keep it small!

Plain Air Painting (1)

© Marc Volquardsen, 2012

Plain Air Painting (4)

© Marc Volquardsen, 2012

In einem Timelapse Video hat mein Mann festgehalten, was den Reiz meiner schönen Heimatstadt Hamburg ausmacht.

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Pigmente

5. Februar 2012 - 13:50

Pastellherstellung (1)© Marc Volquardsen, 2012

Durch die Beschäftigung mit der Thematik wie sich Pastelle selber herstellen lassen, kommt man unweigerlich zur Auseinandersetzung mit Pigmenten. Zuerst dachte ich noch, dass ich locker vom Hocker eine kurze Zusammenfassung schreibe, was sich jedoch als ein reichlich naiver Gedanke herausstellte. Die Welt der Pigmente und Malkunde ist groß und es hat schon seinen Grund, warum es dicke Bücher darüber gibt. Daher beschränke ich mich auf einen sehr kleinen Ausschnitt, welcher dem Pastellkünstler etwas Hintergrundwissen liefert. Für diejenigen, die sich in die überaus interessante Materie vertiefen wollen, gebe ich ein paar Literaturhinweise am Ende des Beitrags.

Ausgangsstoff für alle Farben ist das Pigment. Dies liegt zunächst nur in Pulverform vor und wird erst durch Beigabe unterschiedlicher Bindemittel (so eine Art Kleber) zur Acryl-, Öl- oder Aquarellfarbe oder zum Pastell. Pigmente lassen sich aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung in zwei Gruppen einteilen: Anorganisch und organische Pigmente. Ein weiterer Schritt unterscheidet nach ihrer Herkunft, ob es sich um künstliche oder natürliche Pigmente handelt. Dabei können sie pflanzlichen, tierischen, mineralischen Ursprungs sein oder in den Labors der Chemiker entstehen.

Organische Pigmente basieren in ihrer molekularen Zusammensetzung auf Kohlenstoffbestandteilen.

  • natürliche: Karmin, Indischgelb,
  • synthetische: Chromgelb, Echtgelb, Phtalo-Cyaningrün,

Anorganische Pigmente sind chemische Verbindungen, die nicht auf Kohlenstoffatomen aufgebaut sind.

  • natürliche: hierzu gehören Erden und Mineralien wie z.B.Umbra und Ocker,
  • synthetische: Eisenoxidrot, Carpuut Mortuum, Marsgelb, Weißpigmente

Da jedes Pigmentkorn eine unterschiedliche Teilchengröße hat, variieren die Eigenschaften von Pigment zu Pigment stark. Jedes Pigment verhält sich anders in Bezug auf Lichtechtheit, Konsistenz, Verarbeitung, Pinselfluss oder bei Pastellen dem Abrieb. Hat man vierzig verschiedene Pigmenthaufen nebeneinander liegen, die mit dem bloßen Auge alle wie farbige Mehlhaufen aussehen, bedeutet dies nicht, dass sich alle gleich gut und einfach verarbeiten lassen. Pip Seymour weist darauf  hin, dass die organisch synthetischen Pigmente wie Heliogen Grün sich nur schwer mit Wasser vermischen lassen und ein zusätzliches Netzmittel benötigen. Andere Pigmente benötigen wiederum mehr Bindemittel, um die Pigmentkörner überhaupt zusammen zu halten.

Pastellherstellung (2)

© Marc Volquardsen, 2012

Beim Vermischen von Titanweiß mit Wasser, nimmt das Pigment zunächst das Wasser schwer auf und verhält sich wie zähes Kaugummi.

Pastellherstellung (3)

© Marc Volquardsen, 2012

Dieses Violett nimmt das Wasser überhaupt nicht an.
Die Pigmentteilchen schwimmen auf einem Wasserfilm.

Pastellherstellung (4)

© Marc Volquardsen, 2012

Ultramarinblau lässt sich leicht zu einer Paste vermischen.

All dies erklärt auch, warum selbst innerhalb einer Marke die Konsistenz der Sticks sehr unterschiedlich ausfallen kann. Aufgrund der oben aufgeführten Punkte eignen sich nicht alle Pigmente gleich gut für einen Herstellungsprozess innerhalb einer Manufaktur. Viele Pastellmaler werden schon festgestellt haben, dass bei Softpastellen Rottöne, insbesondere dunkle, häufig hart und kratzig sind, dazu neigen zu bröseln und zu zerbrechen. Dies hat mit der Eigenschaft des Pigmenten zu tun und nicht mit dem Unvermögen der Hersteller.

Bücher

  • Boesner Katalog 2011/2012, S. 264
  • Finley, Victoria: Das Geheimnis der Farben.
  • Hoppe, Thomas: Malkunde. Grundlagen, Materialien, Techniken. Bonn, Seemann Verlag 2005
  • Myntweiler, Stefan: Farbpigmente, Farbstoffe, Farbgeschichten. 2. überarb. und erweit. Auflage, 2011, zu beziehen über Kremer Pigmente
  • Seymour, Pip: Making Soft Pastels  Using Dry Pigments. London, 1999, S. 12  Mit deutscher Übersetzung zu beziehen über Kremer Pigmente
  • Smith, Ray: Praxisbuch für Künstler. Dorling Kindersley 2009

Websites:

 

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