6. April 2009 - 21:49
© Astrid Volquardsen
© Astrid Volquardsen
Beim Aufräumen des Ateliers kam mir der Gedanke, wie gut es mir geht. Meine Zeit darf ich mit netten Leuten verbringen, diese auf ihrem Weg in der Malerei begleiten und auch noch mit ihnen nett zusammen sitzen, fachsimpeln, lachen und lachen. ( Dies ist leider nur für Insider: Das neue Abwehrspraye hat allergrößte Heiterkeit bei mir zu Hause ausgelöst).
Drei Tage Malen zu können, ist eine gute Gelegenheit sich in seiner Kunst und Technik weiter zu entwickeln.
Als Kursleiterin habe ich die Chance, mich in die unterschiedlichen künstlerischen Persönlichkeiten hinein zu versetzen. Dieses Mal war es für mich auch deshalb so befriedigend, weil ich acht Teilnehmer schon aus meinen anderen Kursen kannte. Es gibt mir die Möglichkeit das Bild innerhalb ihrer Entwicklung zu sehen und nicht nur als Momentaufnahme. Der Teilnehmer findet es vielleicht schrecklich, doch ich sehe es durch den Abstand im Hinblick auf die Gesamtentwicklung.
Bei drei Tagen Malen erreicht jeder den Punkt, wo er völlig unzufrieden ist und sich wahrscheinlich fragt, was er hier gerade macht.
Kunst erschaffen ist stark von dem Mythos der Leichtigkeit geprägt und das damit keine Anstrengungen verbunden sind.
Tja, natürlich malen wir alle, weil es uns Spaß macht. Wir lieben die Farben oder Formen, das Material und können uns dem künstlerischen Schaffensprozess nicht entziehen.
Dummerweise haben die meisten von uns einen Untermieter, der sich hartnäckig in der linken Gehirnhälfte eingenistet hat: Der innere Kritiker.
Es kann sich hierbei , um eine äußerst unangenehme Spezies handeln. Es ist, als ob er die Stereoanlage ständig voll aufdreht. Wer kann bei diesem Krach schon künstlerisch kreativ sein? Jeder Strich, jeder Farbauftrag wird sogleich einer Bewertung unterzogen. Die größte Herausforderung ist, diesen Untermieter in seine Schranken zu weisen und sich auf den Malprozess einzulassen, das Malen zu genießen und nicht so sehr auf ein perfektes Endprodukt zu schielen.
Dem Untermieter fristlos kündigen geht leider auch nicht. Die Selbstkritik ist durchaus notwendig, denn sie befähigt uns, unsere Bilder und Arbeiten in Frage zu stellen und uns so auf eine neue Entwicklungsstufe zu bringen. Uns als Künstler muss es gelingen, den Lautstärkeregler zu finden.
Umso schöner ist es zu sehen, wenn Kursteilnehmer sich selbst und mir vertrauen, einen weiteren Schritt oder neue Wege zu gehen. Zu Zweit ist es leichter dem inneren Kritiker Paroli zu bieten.

© Astrid Volquardsen
Zu schön oder? Da möchte man doch gleich loslegen. Die Farbauswahl lädt zum Farbrausch ein. Andrea nutzt bei diesem Bild Sennelier-Softpastelle auf der Pastelcard. Sie verwischt nur in einigen Bereichen die Pigmente.
© Astrid Volquardsen
Sigi faszinieren weite Landschaften mit grünen Feldern. Doch wie das ewige Grün durchbrechen und nicht immer auf die gleichen Farbtöne zurückgreifen? Wie man auf der Staffelei sieht, hat sie eine Farbkarte angelegt und ausprobiert, welche Farbtöne entstehen, wenn man z.B. Blau oder Rot über einen Grünton legt. Die Farbnummern hat sie sich am Rand notiert, um sich die Kombinationen zu merken. Danach haben ihre Bilder sofort an räumlicher Tiefe gewonnen!
Kraniche, 2009, Softpastell,
© Heidi Barndt
Heidi ist eine Wischerin wie ich, wie man auch gut in dem Kranichpastell sehen kann. Für dieses Bild hat sie ihre fotografische Vorlage verändert, so dass der Kranich nicht mehr aus dem Bild herausschaut, sondern den Betrachter anguckt. Entsprechend mußte aber auch der Hintergrund geändert werden. Hier ist es ihr besonders gut gelungen, sich von der fotografischen Vorlage zu lösen und damit eine spannende Bildkomposition aufzubauen.
Von der Wischtechnik hat sie sich dann zu neuen Ufern getraut und im unteren Beispiel die meisten Pastelle nur gesetzt. Die Wischtechnik tritt dabei in den Hintergrund und ermöglicht einen völlig anderen Ausdruck.
© Astrid Volquardsen
Regennasse City, 2009, Softpastell,
© Hanka Koebsch
In diesem stimmungsvollen Bild ist es Hanka gut gelungen sich nicht von den vielen Details der fotografischen Vorlage verführen zu lassen, sondern sich auf das Notwendigste zu beschränken.
Skyline Frankfurt, 2009, Softpastell auf Malplatte,
© Frank Koebsch
Frank haderte mit dem Malgrund der Pastelcard. Nun ist er überhaupt nicht der Typ, der die Flinte gleich ins Korn wirft und versuchte sich mit der Beschaffenheit anzufreunden. Es wurde jedoch offensichtlich, das er sich damit überhaupt nicht wohlfühlte. Als Alternative hat er folgendes ausprobiert: Mit dem Lascaux Pastelground hat er Malplatten (von artiem) grundiert. Für einen gleichmäßigen Auftrag eignet sich gut eine Lackierrolle. Schon ab dem ersten Bild wurde offensichtlich, das er sich damit wesentlich wohler fühlte und mit jedem weiteren Versuch wurde er zufriedener.
Dies ist nur eine Auswahl von einigen Arbeiten und zeigt die Vielseitigkeit der Teilnehmer. Es verdeutlicht, wie wichtig es ist, das jeder seinen eigenen Weg finden und gehen muss.