Beiträge aus »März 2009«:

Edgar Degas: Intimität und Pose

24. März 2009 - 14:52

Bis zum 2. Mai läuft in der Hamburger Kunsthalle die Ausstellung Edgar Degas: Intimität und Pose.
Degas hat sich in seinem Werk intensiv mit der Darstellung von Bewegung und seinem Blick auf den weiblichen Körper beschäftigt.
Um einen weiteren Zugang zu verschiedenen Körperhaltungen zu finden, hat er Tänzerinnen, Badende und Rennpferde in Wachs modelliert. Erst nach seinem Tod hat man diese in Bronze gegossen, um sie der Nachwelt zu erhalten.
Diese Bronzeabgüsse stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, welche durch Zeichnungen, Pastelle und Ölgemälde ergänzt werden.

Die beeindruckenden Pastelle oder Ölgemälde fehlen, aber den Machern ist es gelungen, einen guten Einblick in Degas Arbeits- und Schaffensprozeß zu geben. Wer sich für Degas Werk interessiert, den sei diese Ausstellung sehr empfohlen. Eine sehr gute Audioguide-Führung sowie Filmmaterial komplettieren die Arbeiten.
Für weitere Infos: Edgar Degas: Intimität und Pose

Des weiteren findet am Donnerstag, den 26. März um 19:00 ein Vortrag von Dr. Michael Lüthy statt: Vom Körper zum Bild und zurück. Schlaglichter auf Edgar Degas künstlerisches Verfahren
Eine Veranstaltung der Freunde der Kunsthalle.

Hier eine Mitteilung aus dem Newsletter der Hamburger Kunsthalle:

Vom Körper zum Bild und zurück. Schlaglichter auf Edgar Degas’ künstlerisches Verfahren

„Die Kunst weitet sich nicht aus, sie wiederholt und verdichtet sich.“ (Degas an Lorenz Frölich, 27. November 1872)

Was heißt es, sich in Degas’ Œuvre zu orientieren, das mit über 1500 Gemälden und Pastellen, mehreren tausend Zeichnungen, einem reichen druckgrafischen Werk und zahlreichen Skulpturen schon in seinem Umfang kolossal ist? Was heißt es, sich in einem Denken zu orientieren, das bestimmten Ideen und Absichten jahrzehntelang treu blieb, selbst über die verschiedenen Perioden hinweg, in die man das Werk rückblickend einteilt? Welche Motive werden erkennbar, wenn man unter „Motiv“ nicht nur den gegenständlichen Vorwurf der Bilder versteht, sondern zugleich die Motivation, dieselben Sujets immer wieder aufzugreifen?

Für diese Fragen ist besonders das Spätwerk aufschlussreich. „Ich rutsche immer stärker ab“, so Degas in einem Brief, „ohne zu wissen, wohin, eingehüllt in viele schlechte Pastelle wie in Packpapier.“ Die Klage des alternden Degas steht am Beginn der Zeit, in welcher ihm die eindringlichsten Arbeiten gelingen sollten. Das Visuelle wird zunehmend vom Taktilen überlagert, und die Erinnerung tritt an die Stelle der konkreten Beobachtung. Parallel zur Überschreitung des Sehens öffnen sich die Bilder zur unabschließbaren Serie – bis zu dem Punkt, an dem das Spätwerk als ein einziges „work in progress“ erscheint. Um sich diesen Aspekten, die dem Medium des Bildes ganz neue Möglichkeiten erschließen, zu nähern, fokussiert der Vortrag auf die Prozesse der Bildentstehung und betrachtet das Gemachte aus dem Blickwinkel des Machens.

REFERENT Dr. Michael Lüthy
TERMIN Donnerstag, 26. März 2009, 19 Uhr
ORT Anita-Rée-Raum im Gründungsbau
KOSTENBEITRAG 7 Euro, Studierende bis 30 Jahre 4 Euro, Nicht-Mitglieder 10 Euro

Keine Kommentare

Aus meiner Arbeit

22. März 2009 - 19:08
Am alten Stack, 2009, Pastellkreide, 30×30cm
© Astrid Volquardsen

Ausschnitt (Am alten Stack), 2009, Pastellkreide, 30×30cm
© Astrid Volquardsen

4 Kommentare

Ursus Wehrli – Tiding up art (Kunst aufräumen)

15. März 2009 - 15:00

TED – ideas worth spreading

TED steht für Technology, Entertainment, Design auf Deutsch Technologie, Unterhaltung und Design. Es begann 1984 mit einer Konferenz, die Menschen aus diesen drei Themengebieten zusammen brachte.
Das jährliche Meeting in den USA bringt faszinierende Persöhnlichen aus verschiedenen Lebensbereichen zusammen, mit der Aufgabe, innerhalb von 18 Minuten eine Rede über ihr Leben zu halten.

Der Schweizer Komiker Ursus Wehrli erzählt mit einem deutlichen Augenzwinkern über seine Arbeit, moderne Kunstwerke aufzuräumen (to tidy up). Sein Buch »Kunst aufräumen« gibt es auch bei amazon.


Mehr unter www.ted.com.

1 Kommentar

Kreativität – Fehler zulassen

6. März 2009 - 11:05

Jeder Kreative kennt das: Es läuft nicht so, wie man es gerne hätte.
Die Woche über habe ich mich mit einem Bild beschäftigt, dessen Umsetzung zu wünschen übrig läßt. Es hat starke Bereiche und schwache, aber mir fehlt etwas. Ich weiß nicht was, bin unzufrieden und würde am Liebsten das Bild in die Tonne knicken.
Das ist eigentlich ein absolutes No Go bei mir. Einige meiner besten Bilder haben Momente erlebt, in denen ich sie fast zerrissen hätte. Diesem Drang zu widerstehen ist nicht immer einfach.

Warum fällt es einem so schwer, diesen Zustand des Frustes zu akzeptieren, der zu jedem kreativen Schaffen dazugehört. Warum darf nicht auch mal etwas »schlecht« sein?

Einen Teil der Antwort darauf erhielt ich durch den Vortrag von Ken Robinson, der darüber referiert, wie die Schulysteme die vorhandene Kreativität von Kindern aberziehen.
Wir leben in einer Industrie-und Bildunggesellschaft und unsere Schulsysteme sind darauf ausgerichtet Nachschub für diese Arbeitsmärkte zu bringen. Unglücklicherwiese hat sich dabei eine totale Verkopfung der Ausbildung vollzogen. In unserem Schulsystem sind Fehler, das Schlimmste, was man machen kann. Fehler = Punktabzug = Note! Pisa macht die Sache nicht besser, denn es gilt Testverfahren zu finden, mit denen man Ergebnisse landesweit überprüfen kann. Das Kind mit seiner Kreativität und individueller Entwicklung aber dabei außer Acht läßt.
Kinder lernen schnell, dass wenn sie in unserem Schulsystem gute Noten erlangen wollen, es nur um richtige und falsche Antworten geht.

Wenn ich aber nicht bereit bin, mir Fehler zu zugestehen, mich auf Fehler einzulassen, kann ich nicht kreativ sein und Neues hervorbringen. Das System hat uns gelehrt, vor Fehlern Angst zu haben.
Viele Erwachsene haben Befürchtungen, es nicht gleich richtig zu machen und nehmen sich die Chance, Neues zu entdecken. Dies erlebe ich immer wieder, wenn ich mit Leuten ins Gespräch komme, die so gerne kreativ sein würden, aber sich nicht trauen. Häufig verstecken diese sich hinter dem Satz: »Ich würde ja so gerne malen lernen, aber ich habe überhaupt kein Talent und bin kein bißchen kreativ.«

Ich bin auch nicht frei von der Angst, schlecht zu sein. Momentan halte ich noch am Bild fest, will es »retten«, um es in die Ausstellung mitnehmen zu können. Es stecken schließlich schon 4 Tage Arbeit drin. Doch es hat einen Punkt erreicht, wo ich loslassen muss. Das bedeutet, entweder meinem Frust freien Lauf lassen und es wegschmeißen. Oder die bessere, aber auch anstrengendere Variante: Mir die Erlaubnis zu geben, es auch versauen zu dürfen, um Neues auszuprobieren und mein Schaffen auf eine Neue Stufe zu heben. Vielleicht noch nicht mit diesem Bild, aber mit denen, die noch kommen werden.

Ken Richardson erzählte folgende Anekdote einer 6jährigen Schülerin aus dem Kunstunterricht.

Lehrerin: »Was malst du gerade?«
Schülerin: »Ich male ein Bild von Gott.«
Lehrerin: »Aber niemand weiß, wie Gott aussieht.«
Schülerin: »In einer Minute werden es alle wissen.«

2 Kommentare

Die andere Seite von Sylt

1. März 2009 - 22:02

Wahrscheinlich nahezu jeden Syltbesucher zieht es als erstes an die Westküste mit seinem Dünengürtel und der beeindruckenden Brandung.

Mir persönlich geht es so und dabei habe ich sträflich die andere Seite von Sylt, die Ostküste, vernachlässigt. Die ruhige Wattseite scheint auf den ersten Bilck wenig spektakulär, doch gerade hier liegen schöne Abschnitte, die es Wert sind erkundet zu werden.

An der Wattseite, 2009, Pastellkreide, 30×60cm
© Astrid Volquardsen

So stolperte ich bei meinem letzten Aufenthalt über Impressionen, die sich mir am Strandabschnitt Süderheidetal (nördlich der Vogelkoje) Richtung Mellhörn ergaben. Das Farbzusammenspiel des Wassers mit dem Land hat mir geradezu die Augen geöffnet, dass diese Seite Sylts mit seinen ganz eigenen Reizen aufwartet.

2 Kommentare