Beiträge aus »Januar 2009«:

Mal was anderes

25. Januar 2009 - 21:39

Schon mal bei 4°C gemalt?

Die Sonne lockte nach draußen und gaukelte einem so etwas wie Frühling vor. Also nix wie raus und bei Hohnstorf ran an die Elbe, wo sich die letzten Eisschollen am Ufer türmten.
Was für eine Kulisse!

Beim Skizzieren sind mir fast die Hände abgefroren und mein Stift gab bei der zweiten Skizze seinen Geist auf. Kälteschock. Die Aquarellfarben schienen heute auch länger beim Trocknen zu brauchen.

Skizzen und Bilder, die an solchen Tagen entstehen, erheben nicht den Anspruch, perfekt zu sein. Mein Skizzenbuch soll immer eine Spielwiese sein. Es geht nicht um ein tolles Bild, sondern um das Wahrnehmen von Farben und Licht, das Erkunden einer Komposition, einfach nur Spaß haben und nicht zuletzt den Augenblick intensiv zu genießen.

Heute war es aufgrund der Umstände ein anderes Malen, als ich es sonst tue. »Super Ablagetisch«, dachte ich noch, bevor sich mein Aquarellkasten auf der sehr glatten Oberfläche in Bewegung setzte. Mein Pinsel erhielt später eine Elbwassertaufe. Schräge, glatte Eisflächen sollte man wirklich nicht unterschätzen.

Da ich nicht immer meine Pastellkreiden mitschleppen kann und will, weiche ich gerne auf einen schwarzen Inkroller, Aquarellfarben oder Buntstifte aus. An Tagen wie heute sind sie in der Handhabung praktischer.

Elbufer bei Hohnstorf, Farbskizze
© Astrid Volquardsen

Nach dem Ausflug bin ich direkt ins Atelier, wo ich mich nochmal etwas intensiver mit der Licht- und Farbsituation auf dem anderen Elbufer auseinandergesetzt habe. Auch hier geht es mir wieder nur um das Erkunden und nicht um das »perfekte Bild«.

Beide Skizzen fangen diese kalte Stimmung eines Januartages ein und das ist für mich wichtig gewesen.

Elbufer bei Hohnstorf, Farbstudie in Pastell
© Astrid Volquardsen
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Sennelier in Paris

17. Januar 2009 - 21:42

Es gibt Orte oder Geschäfte, zu denen möchte man gerne einmal reisen. Wie könnte es anders sein, als dass es sich bei mir unter anderem um ein Künstlerfachgeschäft handelt, netterweise im Herzen von Paris.

Leser meiner Webseite oder meines Blogs wissen, wie sehr ich die Softpastelle von Sennelier schätze. Während meines Parisaufenthaltes letzte Woche bin ich sozusagen in der Geburtsstätte der Farbproduktion gewesen:


1887 eröffnete Gustave Sennelier ein Ladengeschäft am Quai Voltaire 3, wo es sich noch immer befindet. Der Farbenhändler war ein begeisterte Chemiker und an der Erforschung neuer Pigmente oder Herstellungsverfahren stets interessiert.

Äußere Fassade des Ladengeschäftes in Paris um 1900, © Sennelier

Das wirklich wunderbare an diesem Geschäft ist die ursprüngliche Ladeneinrichtung und der Charme, den diese versprüht. Wenn man die Augen ein wenig schließt, meint man die Künstler vor hundert Jahren dort ein und ausgehen zu sehen. Die Verkäufer tragen auch heute noch weiße Kittel und man braucht ihre Hilfe, um an das gewünschte Material zu kommen, welches in diversen Schränken und Schubladen verstaut ist.

Sennelier Ladentisch in Paris, Quai Voltaire 3,
Anfang des Jahrhunderts.
© Sennelier

Heutige Ansicht
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Sehen

11. Januar 2009 - 23:02

Je länger ich mich künstlerisch mit meiner Umgebung auseinandersetze, desto intensiver wird mein »Sehen«. Dieses Sehen bezieht sich ins besondere auf das Licht und seine Farben:

  • Die Reflexion des Wassers an einem Bootssteg auf dem Holz
  • Das Glitzern der Wasserlinien in der Sonne, wenn man Barfuß durchs leicht durchflutete Watt geht
  • Eine Sandfläche im Watt, die noch feucht ist. Im flachen Bereich, spiegelt sich der Himmel.
  • Die unterschiedlichen Farben im Glas eines Kirchenfensters. Im nebenstehenden Beispiel das eine orangefarbene Glas ganz unten.
  • Das Farbspiel in der Laterne eines Leuchtturmes.

Dies sind Dinge, die ich nur sehr schwer in Worten ausdrücken kann, sondern immer sehe.

Ausschnitt: Leuchtturm List Ost ,2008, Pastellkreide, 78×40cm
© Astrid Volquardsen


Wenn man sich auf diesen Sehprozess einlässt, gibt es so viel zu entdecken. Unsere Freunde und Familie sind es mittlerweile gewöhnt, dass meinem Mann oder mir ein Aufschrei entfährt: »Schau mal, dieses Licht, diese Farben!«

Der erste Eindruck ist der intensivste und währt manchmal nur den Bruchteil einer Sekunde. Das ist ein ganz besonderer Moment. Diesen unmittelbaren Eindruck zu bewahren ist nicht wirklich möglich, denn es war etwas Neues, Überraschendes. Bei mir beginnt sofort eine Analyse: Was beeindruckt mich genau in diesem Augenblick, kann ich das bildnerisch umsetzen?

Es ist möglich, dass ich mich während des Malprozesses von diesem Ausgangspunkt immer weiter entferne. Ein Malprozeß ist etwas sehr dynamisches und für einen Künstler ist es sehr wichtig diese Dynamik nicht zu unterbinden, sondern sich darauf einzulassen, was sich vor ihm auf dem Papier entfaltet.

Wenn Farben sich miteinander verbinden, gibt es auch beim Malen diesen kurzen Moment des »Sehens«.

Diese Art des Sehens ist etwas, was mein Leben ungemein bereichert.

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